BERLIN IST NICHT PARIS. PARIS IST NICHT BERLIN. – Ein nachträglicher Kommentar zur Berlin Fashion Week.

© THESOPHISTIC8E

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Ja. Die deutsche Hauptstadt befand sich letzte Woche wieder einmal mehr fest in modischer Hand. Die MERCEDES BENZ FASHION WEEK BERLIN war Schuld daran. Gezeigt wurden in über 50 verschiedenen Designer-Schauen und den dazugehörigen Fach-Modemessen die Looks für Frühjahr/Sommer 2015. Einkäufer, Fachbesucher, Journalisten oder Modeinteressierte aus aller Welt strömten zu den unzähligen Veranstaltungen und Events.

Soweit nichts Neues? – OH DOCH!

Aufgrund der Fußball WM und der damit verbundenen Fanmeile am Brandenburger Tor, musste die sonstige Location gewechselt werden und zog somit ins Erika-Heß Eisstadion in den Berliner Wedding. Ausgerechnet! Wedding. Keine historisch beeindruckende Kulisse, wenig Glamour. Stattdessen Discount-Bäckereien und Sex-Shops in Plattenbauten. FASHION WEEK GOES KIEZ. Und es mag ironisch klingen aber so sind die Bewohner dieser „Platten“ die Front-Row der ersten Stunde. Von ihren Balkonen können sie die Fashionistas dieser Welt aus nächster Nähe betrachten oder einen Blick auf Prominenten in den schwarzen Limousinen erhaschen. FASHION MEETS  (echtes) NORMCORE. Eine Straße. Zwei Bürgersteige. Zwei Welten.

FOTO: INSTAGRAM

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Dennoch: Die Ausweich-Location entpuppt sich als Schmetterling. Red Carpet inklusive. Der Gebäudekomplex ist großzügiger als das bisherige Zelt am Brandenburger Tor. Viel Freiraum und Platz für die Besucher. Der Laufsteg und die weiße Zuschauer-Tribüne sorgen für einen Stilbruch zur klassischen Stadion-Umgebung. GELUNGEN ALSO. Dass die deutsche Modewoche im Gegensatz zu Paris, Mailand oder New York international gesehen eher ein kleinerer Stern am Fashion-Horizont darstellt ist klar. Zeitgleich zu Berlin fand in Paris die Haute-Couture Modewoche statt. Die Créme de la Créme der internationalen Stars sitzt hier in der ersten Reihe. Die oberste Riege der französischen Modehäuser wie DIOR , CHANEL oder JEAN PAUL GAULTIER zeigen hier ihre Herbst/Winter Kollektion 2014/15.

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In Berlin hingegen sitzen Prominente der Gattung C-Z (nicht ausschließlich aber häufig) in den ersten Reihen und schauen sich Kleidungsstücke und Kunstwerke von mehr oder weniger nationalen und internationalen Designern an. Berlin ist nicht Paris. Paris ist nicht Berlin. Und genau hier liegt der Unterschied. Berlin ist das Schaufenster für die deutsche Modelandschaft. Kaum eine andere Fashion-Week dieser Welt ermöglicht es jungen, talentierten und außergewöhnlichen Designern ihre Mode zu präsentieren. Doch sind gerade sie die wichtigsten Impulsgeber. Neue Ideen, neue Schnitte und Denkanstöße sind für die (nationale und) internationale Modeindustrie unerlässlich. JULIAN ZIGERLI, LENA HOSCHEK, ANJA GOCKEL  oder HIEN LE. Diese Namen sollte man sich merken. Längst etablierte Labels wie LALA BERLIN, SCHUMACHER oder MARCEL OSTERTAG sind Beispiele für den Erfolg früherer Start-Up-Designer. Mode ist doch letztlich die Liebe zum Detail. Die Liebe zum Material und der Schneiderkunst. Die Liebe die Mitmenschen zu kleiden. Die MERCEDES BENZ FASHION WEEK BERLIN darf deshalb keinesfalls belächelt werden und unbeachtet bleiben. Sie ist die Zukunft der deutschen Modewelt abseits vom Mainstream.

Weitere exklusive Einblicke in die Runway-Shows inklusive den Trends und Looks für Frühjahr/Sommer 2015 im Rahmen der Berlin Fashion Week gibt es diese Woche auf THESOPHISTIC8E.COM

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Marcel Ostertag SS14 #mbfw Berlin.

Es ist Mittwoch der dritte Juli zweitausenddreizehn. Es ist der dritte Tag der Berliner Modewoche. Es ist kurz vor achtzehnuhrdreißig. Es ist die Modenschau von Marcel Ostertag im Mercedes Benz Fashion Week Zelt am Brandenburger Tor. Vor dem Zelt herrscht reges Treiben. Ein Gemisch aus Schaulustigen, Modeinteressierten,  Promis und Fotografen und anderen geladenen Gästen. Im Zeltvorraum wird sich unterhalten, diskutiert und zu geprostet. Die Outfits der Zuschauer sind individuell. Von klassisch bis hin zu progressiv  und aufsehenerregend  – ein buntes Gemisch.

Endlich. Die Türen zur Show werden geöffnet. Nachdem man einen kleinen Gang passiert hat steht man im beeindruckenden Raum der Show. Inmitten und in weiß : Der Laufsteg. Links und rechts davon die Zuschauertribünen, direkt davor Platz für Fotografen.

Kaum Platz genommen,  geht es los. Die Show beginnt. Das Opening wird vom Designer selbst übernommen. In bodenlangem Kleid und High Heels  läuft Marcel Ostertag in eigener Kollektion als erstes Model über den Laufsteg. Erster Applaus. Danach folgen die jungen Mädchen, die die Frühjahr/Sommer Kollektion 2014 präsentieren.

Marcel Ostertags extravaganter Stil und die Verwendung von außergewöhnlichen Materialien spiegeln sich in den glamourösen und femininen Looks wider. Farblich hält es der Münchener Designer klassisch. Nude, grün und schwarz dominieren die Looks und werden durch verschiedene goldene Elemente vollendet. Der Stil der Minikleider in lang und kurz, der fließenden Hosen und Shorts wird mit vielen Details,  transparenten Stoffen und auffälligen Drucken gekonnt gemixt.

Nach einer halben Stunde wurden alle Outfits gezeigt. Marcel Ostertag bedankt sich. Und schließt die Modenschau zu seiner fünfzehnten Kollektion.  Großer Applaus.  Danach wieder hinaus in den Vorraum und sich über die Eindrücke austauschen.

Backstage beginnen bereits die Vorbereitungen für die im Anschluss stattfindende Modenschau von Guido Maria Kretschmer. Ein ganz normaler Fashion Week Alltag.