phänomen primark

Der irische Textildiscounter Primark  ist seit geraumer Zeit auch in Deutschland angekommen. ENDLICH, jubelten Modefans und Brancheninsider. WAS NUN, fragten sich alle anderen. Mittlerweile betreibt Primark hierzulande 10 Filialen. Tendenz weiter steigend.

Doch was macht das Phänomen Primark aus?

Ein Selbstversuch auf den Spuren zwischen schnellen Mode-Trends und unglaublich günstigen Preisen.

Als 2009 die erste deutsche Primark-Filiale in Bremen eröffnete konnte man bereits Stunden vor Ladenöffnung lange Schlangen beobachten. Alle warteten darauf, bis das Geschäft endlich seine Tore öffnete. Einige kannten den Filialisten bereits von Reisen nach Irland oder Großbritannien und wussten was sie erwartet. Andere wiederum ließen sich von dieser Euphorie anstecken und ließen sich überraschen, was es hier alles zu finden gibt.

Kleidung für Damen, Herren und Kinder. Accessoires, Unterwäsche, Kosmetik, Schuhe und Wohnartikel. Die neuesten Mode-Trends zu sehr günstigen Preisen warten darauf, bis sie in Windeseile abverkauft und nachsortiert werden.

Die Maschinerie Primark läuft. Das Konzept funktioniert.

Alles läuft hier über den Preis. Eine besondere Qualität erwartet man nicht. Kleiderständer mit großen blauen Preisschildern, machen auf die dort präsentierte Ware aufmerksam. Die Ware selbst wird massenweise auf die Kleiderständer und an die Wände gehängt. Nicht gerade exklusiv und besonders schön präsentiert,  aber das fällt nicht auf und wird auch nicht erwartet. Die ständige Nachsortierung der Artikel durch die unzähligen Mitarbeiter zeigt die Kompetenz des Textildiscounters aus Dublin: Schnelligkeit. Schnelligkeit in der gesamten textilen Produktionskette. Schnelligkeit vom Trend zur Produktion bis hin zur Schnelligkeit des Weges von der Produktionsstätte in die Läden.

Spätestens wenn man sich dies bewusst macht, stellt sich die Frage:  Wie kann Primark diese niedrigen Preise erreichen?

Moralische und ethische Werte stehen dem Konsum und den günstigen Preisvorstellungen der westlichen Welt direkt gegenüber.

Jedem Verbraucher muss bewusst sein, dass die Artikel auf Masse in Billiglohnländern außerhalb Europas produziert werden. Auch die Arbeitsbedingungen der Arbeiter in diesen Fabriken sind oft nicht die Ausgezeichnetsten.  Auf Primark sowie alle anderen Textildiscounter  lässt sich dies nicht unmittelbar zurückführen. Fast die gesamte Textilindustrie geht nach diesem Schema in der textilen Produktionskette vor.  Dass sich exklusive und teure Marken zum Teil von Günstigen hinsichtlich ihrer Qualität kaum unterscheiden, ist kein Geheimnis. Allein Image und Markenbekanntheit sowie die Zielgruppen sind in der Preisfindung das Entscheidende. Wir, die Kunden legen all dies fest. Wir sind bereit für eine gewisse Marke oder bestimmte  Wertevorstellungen verschieden viel Geld auszugeben. Wir sind es, die mit vermeintlich gutem Gewissen in die Läden gehen und die topaktuellen Modetrends ergattern wollen. Wir sind es aber auch, die letztendlich die Preise der Textilindustrie „bestimmen“. Wir alle wollen den größtmöglichen Nutzen und die größte Anzahl an Bekleidung zum kleinsten Preis. Dass dies die umgekehrte Folge ist, die der Textilindustrie bei den Produktionsbedingungen vorgeworfen wird, wird von uns ausgeblendet. – erst recht beim Kauf. Somit sollten sich alle Verbraucher selbst an die Nase fassen und für sich selbst, unter der Berücksichtigung ihres Einkommens, entscheiden, wie und woher sie ihre Bekleidung beziehen möchten. Dass hierbei der ein oder andere Zielkonflikt auftreten wird ist vorprogrammiert.  Deshalb, blenden wir weiterhin in unserem Konsumwahn alle anderen Bedingungen aus die uns dabei stören könnten. Und das ist völlig „normal.“ Wir möchten uns beim Shopping lediglich erfreuen und belohnen. Wer denkt dabei schon über oben beschriebene Problematik nach.

 „Amazing Fashion, amazing prices.“ Doch Primark ist mehr: Auf Nachhaltigkeit wird durch die biologisch abbaubaren braunen Papiertüten aus  100% recycelten Materialien geachtet. Zudem wurde über das Textilunternehmen im Mai positiv berichtet, als bekannt wurde, dass die betroffenen Arbeiter der Fabrikeinstürze in Bangladesch von Primark finanziell unterstützt werden.

The Sophistic8e Fazit: Primark gelingt es, verschiedene Zielgruppen und Einkommensklassen miteinander zu vereinen. Alle sind sie auf der Suche nach den neuesten Teilen zum kleinsten Preis. Wieso sich Primark jedoch so eindeutig von all den anderen Textildiscountern wie zum Beispiel KIK hinsichtlich des Images abheben kann, ist schwer zu sagen. In Zeiten, wo jede Innenstadt mit den selben Filialisten überflutet wird, sehnt sich der Mensch wohl nach Neuem.  Mit  bisher nur 10 Filialen bundesweit macht Primark alle anderen neugierig. Das „Nicht-überall-zu-bekommen“-Argument, ähnlich wie die anfängliche Euphorie und Hysterie wie beim Deutschlandstart von Abercrombie & Fitch,  macht Primark zu diesem Phänomen.

Photos: The Sophistic8e

 

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